Churrascaria Steakhouse öffnet im FORUM Schwanthalerhöhe in München

 

Churrascaria ist protugiesisch; es ist die Bezeichnung für ein Restaurant, das vor allem gegrilltes Fleisch (Churrasco) anbietet. Seit April 2022 gibt es im FORUM Schwanthalerhöhe eine solche Chrurrascaria. Betrieben wird das Restaurant von Bobby Ilic, seiner Frau Gospava und Sohn Nicola.

Das ist tatsächlich etwas Besonderes, diese Art zu speisen ist eine alte Gaucho-Tradition und kommt aus Brasilien. Fleisch wurde schon vor hunderten von Jahren auf großen Spießen direkt über der Feuerstätte gegrillt und nach herzhafter Würzung mit Heißhunger verzehrt. Auch eute ist es eine weit verbreitete Tradition in Brasilien, täglich in die Churrascaria zum Essen zu gehen. Bei uns ist eine Churrascaria dagegen etwas Besonderes: nach dem „Rodízio“-Prinzip werden große, knusprig-zart gegrillte Fleischspieße direkt am Tisch den Restaurantgästen serviert. Rodízio bedeutet dabei soviel wie Kreislauf: Hier ist gemeint, dass die Spieße sich im ewigen Kreislauf vom Feuer zum Tisch und zurück befinden. Dazu gibt es stets ein reichhaltiges Beilagen-Büffet (dabei auch Süßes).

Nikola und Bobby Ilic präsentieren einige der im Restaurant verwendeten Fleischsorten

Dabei werden dem Gast die unterschiedlichsten Fleischsorten (Rind, Schwein, Geflügel, Lamm) in regelmäßigen Abständen durch die sogenannten „Cortadores“ angeboten und direkt auf den Teller geschnitten. Und zwischen den Fleisch-Gängen kann auch – für die Meisten eine Überraschung – gegrillte Ananas mit Zimt genossen werden.

Die Churrascaria im FORUM Schwanthalerhöhe ist ein Familienunternehmen, Bobby Ilic: „Wir freuen uns, diesen Standort direkt im Münchner Herzen gefunden zu haben.“

Nach der Eröffnung im April wurden nun bekannte Gesichter aus dem Showbusiness eingeladen, die sich heute im Restaurant einfanden, dazu die Presse. Eine schöne Gelegenheit, das traditionelle brasilianische Essen zu probieren. Das fand auch der Schauspieler Peter Rappenglück („Hubert und Staller“): „Richtig gutes Fleisch hier, ich komme wieder!“. Auch Moderatorin Georgia Guillaume war da und machte sich einen Mädels-Nachmittag: „Michel ist auf Dreharbeiten, deswegen bin ich mit meiner Hündin Anoun hier. Ich liebe brasilianisches Essen und im FORUM wollte ich ohnehin schon lange mal wieder zum Shoppen, das war heute eine gute Gelegenheit!“.

Moderator Barry Werkmeister (bekannt für „Die Zeit läuft“, derzeit mit „Auf den Cent genau“ unterwegs): „Das Forum hat eine gute Lage, hier ist man schnell. Und das brasilianische Essen hat super geschmeckt“.

Neben der Eröffnung des Restaurant tut sich auch weiterhin einiges im FORUM Schwanthalerhöhe. So ist zum Beispiel Civil Relief Munich mit einem Pop-Up-Store eingezogen. Das Unternehmen bringt jeden Tag Hilfsgüter an die ukrainische Grenze und holt Ukrainer:innen direkt zu Gastfamilien nach München und Bayern.
Wer Kleidung oder Dinge für den Grundbedarf wie Hygiene Artikel uwsw. spenden möchte, kann dies bei der Hilfsorganisation im Untergeschoss des FORUMs tun.

Vom 25. Juni bis zum 6. August 2022 werden die 8. Kunst- und Kulturtage im Westend stattfinden, es wird jeden Samstag ein großes Fest geben. Interims-Centermanagerin Anita Stampfl: „Das Eröffnungsfest der Kunst und Kulturtage wird bei uns an der Zirkuswiese vor dem FORUM Schwanthalerhöhe stattfinden. Wir sind sehr stolz, die Eröffnungsfeier ausrichten zu dürfen.“

Das Churrascaria Steakhouse und das FORUM Schwanthalerhöhe finden Sie hier: Theresienhöhe 5, 80339 München – U-Bahn Schwanthalerhöhe

Familienministerin Giffey (SPD): Besuch im Alten- und Servicezentrum Milbertshofen

Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ist zur Zeit in München. Nach dem Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Internationalen Jugendbibliothek am Freitagvormittag besuchte sie heute – gemeinsam mit Oberbürgermeister Dieter Reiter – das Alten- und Servicezentrum ASZ Milbertshofen der Münchner Arbeiterwohlfahrt.

Das Alten- und Servicezentrum Milbertshofen sieht seinen Aufgabenschwerpunkt in Beratungen und Unterstützung. Es steht allen älteren Bürgern und ihren Angehörigen unabhängig von Konfession, Herkunft oder Einkommen offen. Neben individueller Beratung und Unterstützung in vielen Problemfeldern – z.B. bei persönlichen, sozialen und gesundheitlichen Problemen oder auch der Vermittlung und Koordination häuslicher Versorgung, von Hol- und Bringdiensten, Einkaufshilfen, Essen auf Rädern etc. und vielem mehr wurden auch „Präventive Hausbesuche“ als erweitertes Beratungsangebot im Rahmen des seniorenpolitischen Konzeptes der Landeshauptstadt München ins Leben gerufen. Ziel der „Präventiven Hausbesuche“ ist es, ältere Menschen frühzeitig zu erreichen, damit sie in ihrer gewohnten Umgebung möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können. Altere Menschen sollen über das breite Angebot der Altenhilfe in München informiert werden.

Heute besuchte Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gemeinsam mit Oberbürgermeister Dieter Reiter das Alten- und Servicezentrum ASZ Milbertshofen der Münchner Arbeiterwohlfahrt.
Nach einer kurzen Begrüßung durch AWO-Vertreter und ein paar Worten von OB Dieter Reiter unterhielt auch Franziska Giffey die Gäste und Besucher des ASZ Milbertshofen, streifte aber auch kurz ein paar kurze politische Themen. Als für Senioren zuständige Ministerin schaue sie sich überall tolle, gute Ideen für eine gute Arbeit für ältere Menschen an: „Da gehört es dazu, dass man sich hier mal blicken lässt.“ Das Konzept des ASZ Milbertshofen sei ein interessantes, innovatives Konzept.
Aber natürlich erzählte die Ministerin auch „was wir so machen in Berlin“. Und da ging es dann um das Gute-Kita-Gesetz wie auch das Starke-Familien-Gesetz. Als Beispiel: ein Zuschuss zum Kindergeld/Wohngeld.

„Wir müssen uns überlegen, wie wir die Pflegesituation in Deutschland verbessern“

Und dann ging’s um das Thema Pflege: „Wir müssen uns überlegen, wie wir die Pflegesituation in Deutschland verbessern können, das ist eine Riesenaufgabe!“
Was die Bundesregierung nun endlich mache, dass sei zum Beispiel die Ausbildungsvergütung in der Pflege, ab dem 1. Januar 2020 werde das Schulgeld in der Pflege abgeschafft und überall in Deutschland eine Ausbildungsvergütung eingeführt. „Und ich bin mir sicher, dass es dann mehr junge Menschen geben wird, die sagen werden: Mensch, dass kann ich mir vorstellen, das mache ich.“
Und nach der Ausbildung? „Natürlich müssen wir die Pflegekräfte auch ordentlich bezahlen! Das ist für uns ein ganz wichtiges sozialdemokratisches Thema und ein Zukunftsthema fürs ganze Land.“

Details und mehr in diesem Ausschnitt aus den Worten von Familienministerin Franziska Giffey:

Man saß noch eine ganze Weile bei Kaffee, Cola und Kuchen zusammen, ein bißchen wie bei einer groß geratenen Geburtstagsfeier mit prominenten Gästen. Für die Ministerin auch eine Einstimmung auf die Wiesn. Sie wird morgen mit OB Dieter Reiter im Schottenhamel-Zelt dem Anstich beiwohnen und hat sich – auch darauf – bestens vorbereitet.


Hier finden Sie das Programm (Angebote und Veranstaltungen September – Dezember 2019) als PDF-Datei. Die PDF-Dateie enthält auch Infos über Beratungs- und Informationsmöhlichkeiten, Begegnung und Beteiligung, Unterstützung, Gruppen und Kurse.

Der Tag des Bayerischen Bieres

„Bayern ist die Vorstufe zum Paradies“, so sagte es nicht nur unermüdlich Horst Seehofer, ehemals hauptamtlich dafür verantwortlich als Minister­präsi­dent, so sehen es viele Bayern und solche, die es werden wollen. Und ein Grund, warum das viele so sehen, ist – wen kann das noch wundern an einem Tag wie diesem – das Bayerische Bier. Und der Tag des Bayerischen Bieres, heute am ersten Werktag nach Ostern, ist ein inoffizieller Feiertag, an dem der Bayerische Brauerbund Freibier spendiert. Großartig!


Auch der Bierbrunnen in München sprudelte heute ab 11 Uhr wieder vor dem Brauerhaus am Oskar-von-Miller-Ring. 3 Sorten Freibier! Wer Zeit hat kommt und sucht sich einen der knappen Plätze im improvisierten Biergarten. Wohl dem, der sich diesen Tag frei nehmen kann.

Verfehlen kann man den Ort nicht, denn von weitem schon zeigt sich ein riesiger Maßkrug wie ein Leuchtturm und weist dem Durstigen den Weg zum Oskar-von-Miller-Ring. Wer erst um 11 Uhr kommt, findet kaum noch einen Platz und muss sich zudem hinten anstellen am Bierbrunnen. Für 3 EUR einen Bierkrug leihen? Ja, wer nicht gut vorbereitet sein eigenes Trinkgefäß dabei hatte, der konnte das tun – und sich das Bier bei Blasmusik und Gebratenem zu zivilen Preisen schmecken lassen.

Das Wetter? Ein Traum, so rechtes Biergartenwetter, das man so schön im April doch selten findet. Heuer scheint die Sonne aber fast schon im Übermaß. Und so war der Andrang natürlich groß, aber doch immer noch überschaubar. Die Stimmung gut und entspannt. So soll es sein.

Die amtierende Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler und die Hallertauer Hopfenkönigin Katharina Maier eröffneten die Veranstaltung in München, gemeinsam mit Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes und Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes. Die Schirmherrschaft über den Tag des Bieres und die Bayerische Bierwoche hat Staatsministerin Michaela Kaniber übernommen. Die für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständige Ministerin hat man in dem Getümmel um den Bierbrunnen allerdings selbst nicht gesehen.


Videobeitrag Tag des Bayerischen Bieres:

Video: Hans Schultheiß (muenchnerschaufenster.de)


OB Reiter: Weih­nachts­be­such in der Feuer­wache 2

Auch an Weihnachten müssen viele Menschen arbeiten. Es ist eine lange Tradition in München, dass der Ober­bür­ger­meister der Landes­hauptstadt am 24. Dezember Menschen einen Besuch abstattet, die am Heiligen Abend und den Feiertagen arbeiten müssen.


Wie immer, so auch heuer: Heute schaute OB Reiter mit Ehefrau Petra u.a. im Münchenstift (Traditionshaus Heilig Geist am Dom-Pedro-Platz), in der Polizeiinspektion München 16 (Hauptbahnhof) und auch bei der Münchner Feuerwehr vorbei.

In der Feuerwache 2 besuchte derOB die gut 30 Mann der Berufsfeuerwehr München, die heute mit ihrer Arbeit der Sicherheit aller Münchnerinnen und Münchner dienen. Mit dabei waren auch der stellvertretende Dienststellenleiter Jörg Fiebach, Direktionsleiter Martin Bachmair und der Wachabteilungsführer Stephan Weiß.
Insgesamt versehen bei der Berufsfeuerwehr in München knapp eintausend Dienstkräfte während der Feiertage ihren Dienst für die Allgemeinheit. Man saß also zusammen im Aufenthaltsraum der Feuerwache 2, ein Teil der Belegschaft musste allerdings nach Eintreffen des OB zu einem Einsatz ausrücken.
Die anderen verzehrten derweil Wildschweinbraten mit Preiselbeeren, Blaukraut und Semmelnködeln. Von engagierten (Hobby-)Köchen der Feuerwehr vor Ort zubereitet.
Nach Gesprächen, guten Wünschen und einigen Dankesworten verteilte OB Reiter dann an jeden der anwesenden Feuerwehrmänner ein Präsentpaket.

Dieter Reiter stand uns noch für ein paar kurze Worte zur Verfügung: „Wenn man mal mit wachen Augen durch die Stadt geht, sieht man, dass es wahnsinnig viel Leute gibt, die an Tagen wie Weinachten arbeiten müssen. Und ich denke, da ist es das Mindeste, wenn man dann als Oberbürgermeister auch Danke sagt dafür. Jedenfalls bei denjenigen Kolleginnen und Kollegen die zu mir gehören. Das ist keine Routine, sondern man lernt immer wieder neue Leute kennen.“

Mehr in diesem kurzen Video:

14.10.2018 – Wählen gehen!

Simone Burger (DGB Region München), Weihbischoff Rupert Graf zu Stolberg, Uli Hoeneß (FC Bayern), Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Charlotte Knobloch (Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern), Martin Kušej (Intendant Residenztheater), OB Dieter Reiter, Christian Schottenhamel (DEHOGA Bayern)
Foto: Michael Lucan

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat heute mit einigen prominenten Persönlichkeiten aus der Münchner Stadtgesellschaft dazu aufgerufen, wählen zu gehen.


Ihr gemeinsames Statement – für die Grundwerte unserer Verfassung – lautet: „Diese Wahl wird uns alle betreffen. Sie kann unser Land verändern: Sie wird zeigen, in welchem Bayern wir leben wollen und welche Werte und Ziele die Politik in den kommenden fünf Jahren prägen wollen.
Offenheit, Respekt und Toleranz sind die Ideale, die Bayern zu Bayern und München zu einer Weltstadt mit Herz machen. Diese Ideale ermöglcihen erst unsere Freiheit und unseren Wohlstand. Sie sind Grundpfieler unseres gemeinsamen Erfolges.
Offenheit, Respekt und Toleranz machen München und Bayern lebenswert.
Sorgen Sie bitte mit Ihrer Stimme dafür, dass das auch nach der Landtagswahl so bleibt.“

Im Anschluss an die Veranstaltung erklärte OB Reiter: „Hier bei uns kann jeder sein Wahlrecht wahrnehmen. In anderen Ländern wird darum gekämpft. Wir haben gottseidank hier freie Wahlen, und das sollen die Menschen auch wahrnehmen. Zum Zweiten geht’s natürlich darum, dass wir in Bayern vor einem politisch interessanten Scheideweg stehen.

Ich möchte einfach alle Wählerinnen und Wähler darum bitten, nochmal darüber nachzudenken – spätestens in der Wahlkabine -, wen man denn wirklich wählt.
Ich glaube, dass es tatsächlich unbedingt Nachdenken braucht, wem man seine Stimme gibt. Man sollte einfach ein zweites Mal darüber nachdenken, ob man Thesen Glauben schenkt, die nur auf Populismus abzielen und Parteien tatsächlich eine Stimme gibt, die im Grunde nur mit einem einzigen Thema unterwegs sind, und das seit Jahren.
Ich glaube, so kann man keine erfolgreiche Politk machen, so kann man keine Politik für die Menschen in Bayern machen.

Alle politischen Parteien versuchen ja – zumindest dem Grunde nach -, in eine Regierungsverantwortung zu kommen. Außer der einen Partei, die sich garnicht als Teil der demokratischen Regierungsbildung sieht. Und da muss man an die Wählerinnen und Wähler appellieren, doch mal darüber nachzudenken, sich zu informieren: Was habe ich davon, wen ich wen wähle?
Die Grundfrage jeder Wählerin und jeden Wählers: Was nutzt es mir, wenn ich die Stimme der A-, B- oder C-Partei gebe? Ich bin ganz sicher, wenn sich die Wählerinnen und Wähler das noch mal fragen: Was habe ich davon, wenn ich diese oder jene Partei wähle, dann wird es ein Ergebnis geben, das sich zumindest in Bayern von dem unterscheidet, wie wir es leider im Osten der Republik sehen.

Deswegen bin ich auch nicht alleine hier, sondern viele Prominente, die das genau so sehen. Wir müssen die Politik verteidigen. Wir müssen alles verhindern, was letztlich am Rand stehenden Parteien die Möglichgkeit gibt, unsere Demokratie zu beschädigen.
Deswegen haben wir uns heute getroffen und rufen auf, demokratisch zu wählen. Rufen auf, darüber nachzudenken, wem man seine Stimme gibt.

Und dann bin ich immer noch guter Hoffnung, dass viele Menschen sich entweder für die eine oder andere Seite entscheiden. Je nachdem, welches Programm sie besser finden.
Aber auch, dass diejenigen, die wir nicht im Parlament sitzen haben wollen, vielleicht wenigstens nicht so stark sind, wie es zu befürchten ist.“

Traditionelles Geldbeutelwaschen im Münchner Fischbrunnen

Den eigenen Geldbeutel im Fischbrunnen zu waschen ist ein alter Münchner Brauch, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Waren es früher die Dienstboten, die am Aschermittwoch ihre leeren Geldbeutel im Fischbrunnen auf dem Marienplatz wuschen – und zwar um auf Ihre Geldnot und auf die Notwendigkeit höherer Entlohnung hinzuweisen -, so sind es heute Münchens Oberbürgermeister und der Stadtkämmerer, also Dieter Reiter und Dr. Ernst Wolowicz. Sie wollen durch diese Tradition sicherstellen, dass die kommunale Kasse auch heuer gefüllt bleibt.

Wer in München zugezogen ist, wird – in aller Regel – von den Alteingesessenen auf diese Tradition hingewiesen und mit etwas Glück sogar auf den Marienplatz beordert – oder mitgeschleppt. Die politische Stadtspitze, Mitglieder der Schicki-Micki-Gesellschaft (aber nur wenige) echte und zugereiste Münchner treffen sich dort, und auch heuer war dies wieder so.

Bei Freibier und Blasmusik wuschen also OB Reiter und Stadtkämmerer Dr. Wolowicz ihre und der Stadt Geldbeutel durch symbolisches Eintauchen – und hatten eine rechte Freude dabei. Und die Prominenz aus der Stadtgesellschaft tat es ihnen gleich, wie auch auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus dem ehrenamtlichen Stadtrat – sowie im Anschluss an diese … die Münchnerinnen und Münchner selbst. Wen die kühlen Temperaturen nicht hinderten, der – oder die – kam nicht nur wegen des Freibiers. Immer mehr Münchnerinnen und Münchner haben’s Geldbeutelwaschen tatsächlich nötig – hoffend, dass der Beutel sich nicht leeren möge – und so herrschte dann auch ein entsprechender Andrang am Fischbrunnen.

OB Dieter Reiter: „Auch wenn‘s nicht bewiesen ist, dass der Brauch wirklich hilft – geschadet hat er jedenfalls noch nicht. Deshalb probieren wir’s jedes Jahr wieder und ich drücke die Daumen, dass es was bringt.“ Hoff ma’s, Glaube versetzt bekanntlich Berge.

Ehe für alle: Jetzt wird geheiratet!

Begründung einer Lebenspartnerschaft (2009) im Münchner Standesamt

Ehe für alle: Jetzt wird geheiratet! – Meilenstein im Kampf um Gleichstellung Homosexueller

Am Sonntag, 1. Oktober 2017, tritt das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Kraft. Hierzu erklärt die Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Sigi Hagl: „Lange haben wir für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gekämpft. Jetzt wird geheiratet! Die gesetzliche Gleichstellung in der Ehe ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg von der bloßen Toleranz zur vollen Akzeptanz. Das ist ein Grund zur Freude!“

2009: Die erste in München geschlossene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft: Heiko Czichoschewski und Michael Titze

Diese beiden – Heiko Czichoschewski und Michael Titze – konnten im Jahr 2009 lediglich Lebenspartner werden. Ab 1. Oktober 2017 ist in Deutschland auch eine gleichgeschlechtliche Ehe möglich.
Foto: © 2009 Michael Lucan

Bedenklich, so Sigi Hagl, seien jedoch Übergriffe mit homo- oder transphobem Hintergrund. Sigi Hagl: „Um Übergriffen und Diskriminierung die Stirn zu bieten, braucht es in Bayern eine unabhängige Antidiskriminierungs- und Opferberatungsstelle, so wie wir Grüne dies schon lange einfordern. Und es ist höchste Zeit, dass Bayern der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes initiierten ‚Koalition gegen Diskriminierung‘ beitritt.“

Quelle: Bündnis 90/Die Grünen Landesverband Bayern

Berichte über die erste „Verpartnerung“ vom 14.08.2009 in München:
merkur.de, 17.09.2009: Schwule Hochzeit am Standesamt
sueddeutsche.de, 17.05.2010: Wer ist denn hier die Braut?

      mp3: Heiko Czichoschewski und Michael Titze geben der Presse Auskunft
(14.08.2009)

Hinterlassenschaften von Hunden
Anton Fichtlmeier zum Thema Hundedreck

Harald Bischoff (li.) mit Studiogast Anton Fichtlmeier (2006)
Foto: Michael Lucan

Die Gegensprechanlage ist eine Sendung bei LORA München. Eine Idee von Fritz Letsch, der die Sendung auch seit einigen Jahren wieder „bespielt“: Jeden Mittwoch zwischen 21:00 und 22:00 Uhr gibt es Gespräche mit Studiogästen und Hörern über aktuell bewegende Themen.
Die Sendung wird von verschiedenen Redaktionen und Redakteuren gestaltet, unter anderem waren zeitweise auch Harald Bischoff und Michael Lucan dabei.


Die Sendung vom 27.11.2006 – heute vor 10 Jahren – war eine gemeinsame Sendung von >Harald Bischoff und Michael Lucan, und es ging um Hinterlassenschaften von Hunden, um Hundekot. Als Experte für Hundeverhalten war Anton Fichtlmeier in der Sendung zu Gast, am Telefon hat Michael Brrunner vom Baureferat der Landeshauptstadt München (Hauptabteilung Gartenbau) mitgewirkt.

Die Sendung kann hier angehört werden (Musiktitel wurden entfernt, stehen aber auf Youtube zur Verfügung):

      Mitschnitt, 1. Teil

Musik 1: The Nits – Fountain Man

      Mitschnitt, 2. Teil

Musik 2: Clemence Lhomme – Tu tombes les armes

      Mitschnitt, 3. Teil

Musik 3: Booker T and the MGs – Time is tight

Techniker am Mischpult während der Live-Sendung: Walter Heindl

Zivilcourage in München am Beispiel des "Kulturzentrum Wörthhof"

„Man geht irgendwohin, aber man nimmt das Gedankengut mit“

 

2007 wurde das freie Kulturzentrum Wörthhof durch Oğuz Lüle gegründet, um ungerecht behandelte Menschen zu unterstützen. Inzwischen besuchen etwa 90 Kinder die Ballettkurse und 110 Erwachsene kommen zu den Kursen Capoeira, Yoga, Pilates, Gesang usw.

Der Flohmarkt-Laden


Wir haben einen Flohmarktladen eröffnet, um das freie Kulturzentrum zu finanzieren. Dadurch sind wir unabhängig von Trägern. Um mich zusätzlich noch über Wasser zu halten, fahre ich dazu noch Taxi drei mal in der Woche. Um gegen die Ungerechtigkeiten in diesem Land zu kämpfen, haben wir die „Initiative für Zivilcourage“ ins Leben gerufen.

Die Geschichte einer schamlosen Abschiebung eines türkischen Arbeiters, mit der vor sechs Jahren alles begann

2007 kam ein Werksvertragsarbeiter (C.A.) aus der Türkei zu Oğuz Lüle. Wie er zu mir kam, war sehr interessant. Die Firma, bei der er in Deutschland beschäftigt war, hatte ihren Sitz in Istanbul und wollte, dass er nach Istanbul fliegt, also hat sie für ihn das Flugticket gekauft und ihn zum Flughafen „Franz Josef Strauß“ gefahren. Man hatte ihm in Istanbul pro Stunde 5,00 Euro versprochen. Er hat aber einen Vertrag unterschrieben, in dem er laut Vertrag 12,40 Euro pro Stunde erhalten sollte. Aber trotzdem hat man ihm gesagt, dass er in München 5,00 Euro pro Stunde bekommt. Er hat etwa 50 Bescheinigungen unterschrieben. Als er diese lesen wollte, hat man ihm gesagt: „Willst du nach München oder nicht?“ Daraufhin hat er alles unterschrieben.

Was er unterschrieben hat:

  • ein Schreiben, dass er bei der Firma kündigt (ohne Datum);
  • einen Schuldschein, dass er bei der Firma 10.000 Euro bekommen hat;
  • ein Dokument, dass die Firma für ihn ein Bankkonto eröffnet und wenn es nötig ist, dass diese Firma ein Darlehen bekommt;
  • eine Generalvollmacht.

Wir haben diese Vollmacht übersetzt, es zeigt, mit welchen Methoden diese Firmen arbeiten (und Regierungsbeschlüsse unterstützen sie):

„Hiermit wird der Sohn des E.,A.Y., geboren 05.06.1970 und/ oder der Sohn des B.,S.S., geboren am 20.07.1973, allein und einzelermächtigt innerhalb der Grenzen der Republik Türkei, Kreis und des S.S.K. sowie im Ausland, mich zu vertreten, Bescheinigungen erstellen zu lassen sowie bei allen inländischen und ausländischen Banken und Filialen im In- und Ausland Devisenkonten und TL.- Konten in beliebiger Anzahl zu eröffnen und wieder zu löschen, und hierfür erforderliche Zustellungen entgegenzunehmen, gesetzlich erforderliche Erklärungen abzugeben und zu unterschreiben. Unterschrift vom Auftraggeber“.

Es gab noch viele andere Bestätigungen, die C.A unterschrieb.

Am Flughafen sagte C.A. zu den Mitarbeitern, dass er zur Toilette gehen möchte. Er nutzte diese Gelegenheit und ging weg. Aber die Toilette war nicht der Grund, er wollte weglaufen, was er dann auch getan hat. Am Flughafen „Franz Josef Strauß“ sieht er die Taxifahrer am Bereich A, die Karten gespielt haben, während sie in der Warteschlange gewartet haben.

Herr C.A. kommt zu diesen Taxifahrern und erzählt, was mit ihm passiert ist. Auf seine Erzählung hin gibt ihm ein Taxifahrer namens Bülent eine Antwort: “Dir kann nur Oğuz Lüle helfen, seine Adresse ist Wörthstraße 10 in der Nähe vom Ostbahnhof.“ Auf diese Weise kam er zu mir. Schließlich besorgten wir ihm auch eine Übernachtungsmöglichkeit.

Wir haben dann bei der Sozialkasse Bau angerufen, welche uns mitteilte, dass er die Firma beauftragt hatte, die Gelder für ihn zu kassieren, was nicht stimmte. Wir haben oder besser gesagt er hatte einen Antrag geschrieben, dass die Sozialkasse Bau nicht dieser Firma, sondern ihm die Gelder direkt zahlen soll. Dann hat er ein paar Tausend Euro bekommen.

Oguz Lüle (Interview vor dem Arbeitsgericht München, 2011)

Wir haben die Firma beim Arbeitsgericht angeklagt, woraufhin wir die Klage verloren haben. Danach sollten wir zum Oberlandesgericht gehen. Dies hat jedoch der Anwalt abgelehnt. Also kehrte C.A. in die Türkei zurück, für den wir uns weiterhin gekümmert haben. Er hatte mir erzählt, dass er Steuerzahlungen vom Finanzamt zurückbekommt. Daraufhin habe ich beim Finanzamt gefragt, ob es stimme, was er mir erzählte. Wir haben einen Antrag beim Finanzamt gestellt, dass ihm die zustehenden Gelder direkt bezahlt werden. Die korrekte Summe wusste er nicht genau. Aber er hat mit unserer Hilfe vom Finanzamt München 2900 Euro zurückbekommen. Diesen Betrag hätte sonst die Firma kassiert. Dazu kommt, dass er einige Tausend Euro bekommen hat von der Kasse für den Bau (SOKA BAU-Wiesbaden). Danach kamen zwei Werksvertragsarbeiter zu mir, später 40 weitere Arbeiter.

Prozesse und Bestechungsversuche

Ich habe einen der Arbeiter an die Münchner Rechtsanwältin Nihal Ulusan vermittelt. Sie übernahm dann für ihn und seinen Cousin das Mandat – beide waren sehr verunsichert, ihnen wurde der Mindestlohn nicht gezahlt.
Kurz darauf wandte sich ein weiterer Arbeiter an Frau Ulusan. Er und seine rund 20 Kollegen waren seinerzeit beim Hauptzollamt FKS zur Zeugenaussage. Sie bekamen ebenfalls seit Monaten keinen Lohn und suchten anwaltliche Vertretung. Frau Ulusan übernahm die Mandate, sie führte Gespräche, stellte die nötigen Unterlagen zusammen, ließ sich Vollmachten geben und es wurden Anträge auf Prozesskostenhilfe gestellt.

Offenbar sprach sich dies unter den Arbeitnehmern der Firma rum, denn kurz darauf erhielt Frau Ulusan Anrufe aus der Türkei, so dass sie Mitte Februar 2009 44 Arbeitnehmer desselben türkischen Subunternehmens bei demselben deutschen Generalunternehmer hatte. Sie versuchte sowohl mit dem türkischen Subunternehmen als auch mit dem deutschen Generalunternehmen eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, aber ohne Erfolg. Gleichzeitig versuchte der Rechtsanwalt der türkischen Firma, sie zur Aufgabe des Verfahrens zu „überreden“, sie würde dafür „angemessen honoriert“.

Oğuz Lüle im Büro von Rechtsanwältin Nihal Ulusan (Dreharbeiten des Bayerischen Rundfunks, 2011)

Nachdem der Versuch einer außergerichtlichen Einigung scheiterte, reichte Frau Ulusan dann 44 Klagen beim zuständigen Arbeitsgericht München ein. Alle Klagen endeten mit einem Erfolg, nur vier Klagen wurden abgewiesen, weil Frau Ulusan für diese Arbeitnehmer keine Originalvollmachten vorlegen konnte, sondern nur Faxe. Diese vier Arbeitnehmer wurden in der Zwischenzeit in der Türkei mit Gerichtsvollziehern vor der Tür derart eingeschüchtert, dass sie sich nicht mehr trauten, die Originalvollmachten nachzureichen. Zwei haben dann auf Grund des Drucks die Klagen zurückgezogen.

Die türkische Firma hat dann gegen die gegen sie ergangenen Urteile des Arbeitsgerichts Berufung vor dem Landesarbeitsgericht München erhoben, die allesamt entweder abgewiesen oder auf richterlichen Hinweis, mangels Erfolgsaussichten, von der türkischen Firma wieder zurückgenommen wurden. Auf Basis der Urteile und der mit dem deutschen Generalunternehmen getroffenen Vereinbarungen hat dieses dann die geschuldeten Nettobeträge an alle obsiegenden Kläger – über die Kanzlei von Frau Ulusan – ausgezahlt.

Der Anwalt von dieser Firma hatte auch versucht mit Oğuz Lüle zu reden. Anfang Januar 2009 informierte mich ein Kommunalpolitiker, dass der Rechtsanwalt M.H. mit mir sprechen möchte und ihn gebeten hätte, mit mir ein Treffen zu arrangieren. Bei dem ca. Mitte Januar 2009 vereinbarten Treffen sprachen wir zu dritt über die Beschwerden der Mitarbeiter der Firma. RA M.H. berichtete über die Beschlagnahme von 3 Millionen Euro der Firma. Auf meine Erwiderung, dass dies eben nur dran liegen kann, dass die Arbeiter das vereinbarte Entgelt nicht erhalten haben, sagte er, dass er keine Kenntnis davon gehabt hätte, dass die Arbeiter nicht bezahlt wurden.

Wir haben offen darüber gesprochen, über die in Istanbul versprochenen Gelder. Ich nannte ihm aus der Vergangenheit das Beispiel des Herrn C.A. aus dem Jahr 2006. Auch sagte ich, dass die Arbeiter doch keine Veranlassung hätten, gegen die Firma vorzugehen, wenn sie zumindest ihre mündlich vereinbarten 5 Euro pro Stunde erhalten hätten. Ich äußerte die Vermutung, dass das Problem auch bei den Geldverteilern der Firma liegen könnte, die möglicherweise auch teilweise Geld einstecken und bei den Arbeitern letztlich auch weniger als zum Beispiel 5 Euro pro Stunde ankommt.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs äußerte sich Herr M.H. dann betreffend Mindestlöhne von 12,40 Euro auch dahingehend, dass diese Zahlung nur bei direkter Beauftragung durch die Landeshauptstadt München möglich sein könnte, nicht jedoch – wie im Fall der Firma – als Subunternehmen im 5. Glied.

Dann lenkte RA M.H. das Gespräch auf das von mir betriebene Kulturzentrum und sagte wortwörtlich: „Herr Lüle, Sie machen da eine gute Sache. Wir könnten uns mit einer Spende erkenntlich zeigen. Wir könnten auch andere türkische Unternehmen dazu bewegen, Ihnen Spenden zukommen lassen.“

Ich erwiderte: „Dann sollten wir aber eine Pressekonferenz machen, in der Sie Ihre Spende begründen. Aber bezahlen Sie vorher an C.A. seine ausstehenden 8.000 Euro Lohn aus. Dann schauen wir weiter. Und ich könnte versuchen eine Tagung zu dieser Problematik der Auftragsvergabe möglich zu machen.“

Das waren die wesentlichen besprochenen Punkte. Nach Beendigung des Gesprächs und nachdem der RA M.H. weg war, fragte ich den Kommunalpolitiker hinsichtlich der angebotenen Spende seitens RA M.H.: „Er wollte mich doch bestechen, oder?“

Dieser erwiderte: „Ja, ja und ich bin froh, dass du darauf nicht eingegangen bist und klar die Sache der Arbeiter vertrittst. Ich bin nicht eingeschritten, weil du die Sache ganz klar abgewiesen hast.“

Nach diesem Gespräch mit dem Rechtsanwalt M.H. bekam ich Anrufe: „Wir werden dich zusammenflicken. Liebst du das Leben?“ Einmal habe ich im Display gesehen, dass dieser Anruf aus Istanbul kam. Andere Anrufe waren als unbekannt angezeigt. Später dann habe ich eine schriftliche Bestätigung gesehen. Das war die Antwort, dass ich seine Bestechungsversuche abgelehnt habe. Ein Teil dieses Schreibens ist wie unten:

„Später hat Oğuz Lüle uns gesagt, für den Fall, dass wir gegen die Firma klagen, würde er dafür sorgen, dass wir zwischen 15.000 und 25.000 Euro verdienen. Er würde für uns Aufenthaltsgenehmigungen besorgen und andere Arbeitsstellen finden. Die Höhe des Geldbetrags war für uns so verlockend, dass wir auf den Namen der Rechtsanwältin Nihal Ulusan in Deutsch vorbereiteten Vollmachten unterschrieben und die Vollmacht an Frau Ulusan ausgehändigt haben.“

Dieser Arbeiter hat die Klage nicht zurückgenommen. Er hat auch die Klage gewonnen. Natürlich haben wir ihn angerufen und gefragt, wie es zu dieser schriftlichen Bestätigung kam. Er hat uns erzählt, dass die Firmenanwälte mit dem Gerichtsvollzieher bei ihm zu Hause waren. Wenn er nicht unterschrieben hätte, hätten sie alle Möbel aus seiner Wohnung weggenommen. Diese Bestätigung haben die Anwälte der Firma bei allen Klagen eingereicht. Aber, wie bereits gesagt, Frau Ulusan hat alle Klagen beim Arbeitsgericht gewonnen, außer jene, bei denen ihr keine Originalvollmachten vorlagen beziehungsweise bei denen die Arbeitnehmer die Klage auf Grund des auf sie ausgeübten Drucks zurückgenommen haben.

Was wir bei der Sache mit C.A. erfahren haben, erzählten wir allen Arbeitern, auch im Hinblick auf das Finanzamt und die Sozialkasse Bau (SOKA BAU-Wiesbaden).
Zwei Arbeiter waren MHPler, das ist so zu verstehen: MHP ist ähnlich wie die NPD. Obwohl sie Mitglieder dieser Partei waren, habe ich für sie Übernachtungen organisiert und sie gebeten, rassistische Äußerungen nicht zu machen. Diese zwei Arbeiter haben auch gewonnen, und sie sind weniger rassistisch als vorher.

Die Unterstützer_innen der betrogenen Arbeiter_innen schließen sich zur „Initiative für Zivilcourage“ zusammen

Während diese Klagen eingereicht wurden, haben uns viele Freund_innen geholfen. Eine Freundin hat mich gefragt: „Brauchst du Hilfe?“ Die Antwort war schnell gefunden: „Ich brauche diese Hilfen unbedingt!“ Daraufhin haben wir zusammen die „Initiative für Zivilcourage“ gegründet. Dass wir alle Klagen gewonnen haben, hat auch damit zu tun, dass uns so viele Freund_innen bei den Prozessen unterstützt haben.

Als „Initiative für Zivilcourage“ haben wir 2010 ein Flugblatt zu den Rechten von Arbeitnehmer_innen in vier Sprachen verfasst.

Menschen aus Bulgarien

Geschrieben wurde es auf Türkisch, Deutsch, Bulgarisch und Englisch. Wir haben dann einen Infotisch an der Landwehrstraße/ Ecke Goethestraße angemeldet. Im Flugblatt stand: „Wenn du dein Geld nicht oder weniger bekommen hast, dann kommst du zu uns.“ Plötzlich kamen 30 bis 40 Menschen zu uns und sagten, dass sie ihr Geld nicht bekommen haben, dass sie unangemeldet unter prekären Verhältnissen arbeiten. Das waren Menschen aus Bulgarien. Seitdem haben die Aktivisten der „Initiative für Zivilcourage“ viele Aktionen zu diesem Problem durchgeführt.

Viele hatten viele Briefe, weil sie ohne gültigen Fahrschein gefahren waren. Dann haben wir ihnen gesagt, dass wir ihnen Fahrräder schenken, damit sie nicht mehr ohne gültigen Fahrschein fahren müssen.

Am 16.9.2010 verteilten wir etwa 100 von Münchner Bürger_innen gespendete Fahrräder an prekarisierte neue EU-Bürger_innen, die so eine Möglichkeit haben, in der Stadt mobil zu sein, auch wenn sie sich oft keine MVV-Ticket leisten können. Alle gemeinsam zogen daraufhin in einer Fahrrad-Demonstration zum französischen Konsulat, um solidarisch gegen die Ausweisungen von Roma aus Frankreich zu protestieren.

Jeden Dienstag von 10.00 bis 13.00 Uhr haben wir Bürostunden in der Goethestraße 30, wo diese Menschen hinkommen und wenn sie Fragen haben, beantworten wir diese, wenn wir können. In der Zeit haben wir diesen Menschen Deutschkurse gegeben. Viel wichtiger ist, wir unterhalten uns mit ihnen und wir schließen Freundschaften, dabei helfen wir diesen Menschen. Letztendlich haben diese Menschen aus Bulgarien die Freizügigkeit.

Etwa 300 Tagelöhner_innen traten auf ihre Vermittlung hin der Gewerkschaft ver.di bei. Auf gemeinsame Initiative hin nahmen bulgarischen Münchner_innen an der 1.-Mai-Demonstration des DGB teil.

Die „Initiative für Zivilcourage“ will Menschen helfen, Grenzen in der Stadtgesellschaft zu überwinden und ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu leben. Ziel ist derzeit, sich das Wissen und die Kompetenzen anzueignen, ihre Lebenssituation zu verbessern und erfolgreich mit der Stadtgesellschaft und –verwaltung zu kommunizieren. Die Initiative unterstützt sie in ihrer Selbsthilfe und fördert so auch das solidarische Zusammenleben in der Stadtgesellschaft. Bis Jetzt gibt es für diese Menschen kein vergleichbares Angebot in München, vor allem keinerlei Unterstützung ihrer Selbsthilfe.

„Förderpreis Münchner Lichtblicke 2011“

Stellwand bei der Preisverleihung "Lichtblicke 2011"

Stellwand bei der Preisverleihung „Lichtblicke 2011“

Die engagierte Arbeit der „Initiative für Zivilcourage“ führte dazu, dass die Stadt München der Initiative den „Förderpreis Münchner Lichtblicke“ verliehen hat, dazu die Begründung der Jury:

„Im Jahr 2007 kam ein um seinen Lohn betrogener und wohnungsloser türkischer Arbeiter ins Kulturzentrum Wörthhof und bat um Unterstützung. Oğuz Lüle, der Gründer des Kulturzentrums, vermittelte eine ehrenamtliche Anwältin und nahm ihn auf. Herr Lüle und ein ständig wachsender Unterstützerkreis gingen seitdem mit großem Mut und Entschiedenheit gegen die skandalöse Unterbezahlung vieler türkischer Bauarbeiter im München vor und hatten Erfolg. 2009 entstand daraus die ‚Initiative für Zivilcourage’. In einem Interview antwortete Oğuz Lüle auf die Frage, warum er sich dabei in gefährliche Situationen begibt und sich mit Mächtigen anlegt: ‚Indem wir Zivilcourage haben. Und Courage ist mächtiger als die andere Macht.’

Mitglieder der Initiative

Mitglieder der Initiative


Die Initiative umfasst inzwischen ca. 30 Personen, die sich mit zahlreichen Aktionen und Aktivitäten für Migrantinnen und Migranten aus den neuen EU-Beitrittstaaten einsetzen, die in München in prekären Verhältnissen leben. Die Mitarbeiter der Initiative beraten zum
Beispiel bulgarische Tagelöhner, verhandeln mit den Arbeitgebern, begleiten sie zu Behörden, organisieren Deutschkurse und helfen ihnen auch mal aus einer verzwickten Lage. Bisher gibt es für diese Menschen kein vergleichbares Angebot in München, vor allem keinerlei Unterstützung ihrer Selbsthilfe.“

„Die dunkle Seite Deutschlands“

Ein konkreter Fall erregte Aufmerksamkeit: Durch einen Arbeitsunfall verlor ein bulgarischer Angestellter einer Putzfirma einen Finger und wurde von seinem Chef ins Krankenhaus gebracht. Die Putzfirma hatte keine Versicherung abgeschlossen und der Verlust des Fingers wurde folglich nicht als Arbeitsunfall deklariert.

Die „Initiative für Zivilcourage“ stellte den Tatvorgang im Krankenhaus richtig, vermittelte dem bulgarischen Arbeiter eine Mitgliedschaft bei ver.di, leistete Hilfe beim Gang zum Arbeitsgericht und beantragte (mit Erfolg) den Verzicht der Berufsgenossenschaft auf die Krankenkosten. Über diesen Fall wurde in der Abendschau am 13.10.2010 berichtet – Titel des Beitrags: „Die dunkle Seite Deutschlands“.

Aus unserer aktuellen Arbeit

Seitdem ist die Initiative gemeinsam mit ihnen fast jeden Tag mit verschiedensten Aktivitäten, die alle ehrenamtlich stattfinden, beschäftigt.

Sie veranstalteten Diskussionsrunden zu Themen wie Wohnungsproblematik, Diskriminierung durch Anwohner_innen und Polizei, Rechte und Pflichten von Selbstständigen und Verfassen eines Flugblattes und einer Verschriftlichung von konkreten Beispielen von Diskriminierung. Die Teilnehmerzahlen betrugen meist zwischen 10 und 60 Personen. Der Vorsitzende des Ausländerbeirats, die Stelle AMIGRA und ein Anwalt von ver.di nahmen unsere Einladungen an und an Treffen teil. Drei bis fünf mal wöchentlich begleiten die Mitglieder bulgarische Münchner_innen auf ihre Bitte hin zu Wohlfahrtsstellen, Krankenhäusern, zum Arbeitsgericht und zum Amt für Wohnen und Migration. Außerdem treffen sie sie mehrmals wöchentlich, um beim Verstehen von Briefen und Formularen zu helfen und bieten ihre Kompetenzen für deren Deutschkurs an.

Die ständig wachsende Mailingliste der Initiative umfasst momentan 50 Personen. Etwa 15 Personen kommen regelmäßig zu den Treffen. Ihre Gruppentreffen finden derzeit alle zwei bis vier Wochen im Freien Kulturzentrum Wörthhof statt. Für die Zukunft ist ein „Forum gegen Ungerechtigkeit“ in den Räumen des freien Kulturzentrums Wörthhof geplant.

Armut in Deutschland

Am 05.03.2013 ist die Sozialberatung der Interessengemeinschaft der Erwerblosen (IGEL) in das freie Kulturzentrum Wörthhof eingezogen. In gemeinsamer Arbeit soll eine kompetente und vehemente Sozialberatung zu Themen wie Hartz IV, Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung und Lohnbetrug in prekären Arbeitsverhältnissen aufgebaut werden.

IGEL vermittelt Beistände, die Menschen zu Jobcenter-Terminen begleiten. Im Notfall vermittelt IGEL auch rechtsanwaltliche Beratung. Die Sozialberatung ist derzeit noch im Aufbau. Neues wird hier bekannt gegeben. Bis dahin gibt es den Stammtisch von IGEL, der sich jeden zweiten Dienstag im Monat trifft.

Jedes Jahr Ende Juli, diese Jahr am 28. Juli 2013 um 17.00 Uhr, verschenkt das Kulturzentrum Wörthhof Fahrräder an Menschen, die ein Fahrrad nicht bezahlen können. Es wird eine Tombola stattfinden, in der die Fahrräder in drei Gruppen verlost werden: Damen-, Herren- und Kinderräder.

Natürlich verschenken wir die Räder nicht, weil wir die Räder bereits haben, sondern bekommen sie von Bürger_innen geschenkt und geben sie an Bedürftige weiter. Auf diese Weise entwickelt sich eine Solidarität zwischen den Menschen. Aber auch Beziehungen im zwischenmenschlichem Bereich werden gefördert – nicht sanktioniert, wie bei einigen Behörden.

Gegenseitige Hilfe ist ein in unserer Gesellschaft abhanden gekommenes Gut.

Wie wir bei diesen Fällen sehen, Menschen kommen hierher zur Beratung mit Problemen, die gibt es auch woanders, doch glauben die Menschen hier, dass alle Probleme mit ihnen erst begonnen haben. Das nehmen einige Arbeitgeber_innen zum Anlass, davon Gebrauch zu machen und unter Tarif oder ohne Sozialabgaben zu beschäftigen.

Die Arbeitgeber_innen können also die Löhne so weit runterdrücken, wie sie wollen.

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Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)
. Autor ist Oğuz Lüle.Wir haben den Artikel von der Webseite Zivilcourage in München am Beispiel des „Kulturzentrum Wörthhof“ (http://heimatkunde.boell.de) übernommen. Er wurde dort am 10. September 2013 veröffentlicht.

Das migrationspolitische Portal http://heimatkunde.boell.de ist ein Projekt der Heinrich-Böll-Stiftung.


Oğuz Lüle wurde 1960 in Kocakurt in der Türkei geboren und kam 1980 nach München, wo er Soziologie studierte. 1988 in der Türkei festgenommen, war er bis 1991 inhaftiert. Er kehrte nach München zurück, wo er 2007 das Kulturzentrum Wörthhof gründete.


Vgl. auch Arbeiterstrich in München.